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Einige Artikel, geschrieben von Journalisten, die mit Schimmel-Reisen auf einer Radeltour unterwegs waren, möchten wir zu Ihrer Information hier komplett zitieren.
Die Artikel sind in unabhängigen Tageszeitungen erschienen. Deren Mitarbeiter haben an Reisen teilgenommen, die für jedermann in in unserem Prospekt ausgeschrieben waren.
Sie geben Ihnen somit einen Eindruck über den Ablauf einer von uns organisierten Radtour aus Sicht eines Teilnehmers.
"Rheinische
Post" vom 15. August 1998
Radtour Burgund vom 4. bis 11. Juni 1998
von Folkmar Pietsch
Von Detlef Burrichter
Die Nachmittagssonne glüht vor strahlendblauem Himmel über das weit dahingestreckte Tal der Dordogne: Hoch über dem Fluss ziehe ich vergnügt ein paar Bahnen im Swimming-Pool der malerisch gelegenen Hotelanlage Le Relais de Castelnau.
Das Kinn so eben über der Wasserkante, fällt mein Blick staunend auf die schier endlose Weite dieser traumhaft schönen Landschaft. Es grünt und sprießt, wohin ich auch schaue.
Und mitten durch diese malerisch schöne Kulisse schlängelt sich die Dordogne abwärts. Was für eine Begrüßung nach den ersten Kilometern auf dem Fahrrad im schönen, alten Perigord - ein Auftakt nach Maß!
Wir sind in Südwest-Frankreich und jetzt, Mitte September, ist es nachmittags mit um die 30 Grad Celsius noch hochsommerlich. Natürlich radeln wir in kurzen Hosen und T-Shirts. Das Klima ist günstig hier, nicht nur für Fahrradfreunde. Der Landstrich ist überaus fruchtbar: Schon bei der ersten Ausfahrt durch das Tal der Dordogne radeln wir an zahlreichen Nussplantagen vorbei, einer Spezialität dieser Region. Natürlich gibt es auch Obstplantagen; sogar Bananen sehen wir, auch Feigen und Tabak-Plantagen. Derart eingestimmt, kann nichts mehr schiefgehen. Und wenn doch, ist es halb so schlimm: Die Radler aus allen Teilen Deutschlands bleiben jedenfalls gelassen, als sie am nächsten Morgen nach einer schönen Schussfahrt hinunter ins Tal zwar den Gouffre de Padirac erreichen, - das gewaltige unterirdische Höhlensystem, das sich hier die Dordogne durch den Berg gegraben hat - aber nicht besichtigen dürfen. In der Felswand hinter dem 75 Meter tiefen Abgrund, der sich vor uns wie der Schlund eines Riesen öffnet, fanden die Menschen im Hundertjährigen Krieg und später während der Religionskriege Zuflucht. Uns bleibt diese Stätte verschlossen. Der Grund: Ein Streik der Mitarbeiter aus Solidarität mit einem älteren Kollegen, dem der Chef übel mitgespielt haben soll. Da sind sie, die französischen Tugenden: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Stattdessen schauen wir uns in dem kleinen Städtchen Martel um. Die hübschen Naturstein-Häuser versetzen einen zurück ins Mittelalter. Es gibt einen kleinen Platz mit einer Markthalle und kleinen Cafés, die an diesem sonnigen Nachmittag zu einer Rast einladen. Hilde verliebt sich im Lädchen um die Ecke in ein skurriles Andenken: Ein Teufelskopf aus Holz, der als Wandhalter für Kerzen fungiert. Doch der Inhaber des Ladens schüttelt lächelnd den Kopf. Die seltene Skulptur sei unverkäuflich.
Das Perigord ist voll mit Schätzen und Zeugnissen aus dem Mittelalter, als es seine Blütezeit erlebte: Am nächsten Morgen besichtigen wir in Souillac kurz eine romanische Basilika. An der Portalrückseite sind frühe Meisterwerke der bereits weit entwickelten romanischen Bildhauerkunst des 13. Jahrhunderts zu bewundern, auferstanden und liebevoll restauriert aus den Trümmern der wütenden Reformation. Sichtbare Schleifspuren der Geschichte.
Wieder geht es stundenlang durch die abwechslungsreiche Landschaft: Mal liegt die ganze Weite des Dordognetals vor uns, dann wieder führt unser Weg uns eng an die Klippen, die sich wohl 70 Meter über uns auftürmen. An den Hängen Mischwälder, die Schatten spenden und erdigen Duft verströmen.
Gegenüber rauscht die Dordogne durch ihr Bett. Ein ungestümer Fluss, der tüchtig Fahrt drauf hat und mit seinen Strömungen nicht ungefährlich ist. Dennoch sieht man allerorten Kanuverleih-Stationen. Das Kanufahren ist eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Franzosen, die im Perigord gerne ihren Urlaub verbringen.
Imposant auch der neue Radweg, der auf einer alten Kleinbahntrasse errichtet wurde. Links und rechts erheben sich massive Felsblöcke - Schneisen, von Menschenhand durch den Berg getrieben, damit die Dampfloks früher die Höhen überhaupt erklimmen konnten. Uns Radlern kann das nur recht sein. So lässt es sich gemütlich bergan fahren.
Unbeschwert erreichen wir so unseren heutigen Picknick-Platz. Ulrike hat wieder gezaubert: Unter freiem Himmel, malerisch an der Dordogne gelegen, serviert sie uns heute Rillettes (eingelegtes Fleisch vom Kaninchen) zur Vorspeise und dann einen herzhaften Salat Perigord mit Äpfeln, Roquefort Walnüssen und Entenbrust. Dazu lassen wir uns ein Gläschen vom Roten schmecken und zum Nachtisch gibt es Muskattrauben.
Derart gestärkt treten wir am Nachmittag um so lieber in die Pedalen und erreichen bald die imposant auf einem Felsen liegende Bastide Domme inmitten einer der reizvollsten Landschaften des Dordogne-Tals. Der Blick hinunter ins Tal auf den majestätischen Fluss ist überwältigend. Domme ist eine der schönsten Befestigungsanlagen aus der Zeit des Hundertjährigen Krieges, von der im Perigord noch gut und gerne drei Dutzend erhalten sind.
Am Abend in Sarlat gibt es zur Begrüßung dann ein krachendes Gewitter. Es gießt wie aus Eimern. Dennoch sieht die Stadt freundlich aus, keine Spur vom tristen Grau verregneter deutscher Städte. Hier lachen die Steine den Spaziergänger im Regen mit satten Ockertönen an. Die Gassen und Straßen und alle Gebäude sind aus diesen Natursteinen gebaut. Es sieht hier aus, als sei die Moderne spurlos vorübergezogen.
Die Bilder dieses Tages sind so stark, dass sie sofort wieder da sind, als ich am nächsten Morgen aufwache. Als könnte ich die Walnüsse schmecken und den Tabak riechen, das sanfte, satte Ockergelb in den Straßen und Gassen leuchtet mir noch einmal entgegen.
So geht es weiter Tag für Tag: Radfahren in ursprünglichen Landschaften des Mittelgebirges, zum Beispiel in der traumhaft schönen Auenlandschaft entlang des Flüsschens Céou oder im gefälligen Tal der Celé mit üppigen Sonnenblumenfeldern. Kleine Besichtigungsstopps unterwegs lassen das Radeln nie langweilig werden. Wir kehren ein in dem beeindruckenden Château Beynac, eine bestens erhaltene mittelalterliche Burg-Anlage, und tauchen ein in die berühmte Grotte von Lascaux, in der unsere Steinzeitvorfahren Meisterwerke früher Kunst hinterließen. Und immer wieder ist der Tisch mittags für ein üppiges Picknick gedeckt; am späten Nachmittag folgt die entspannende Abkühlung im Hotel-Pool und abends ein Vier-Gänge-Menü mit ausgesuchten, regionalen Köstlichkeiten.
Radeln wie Gott in Frankreich eben.
300 Kilometer mit dem Fahrrad durch Frankreichs bekannte Weinregion
Burgund aus der Sattelperspektive
Von FOLKMAR PIETSCH
Nein, nein, eine Tour der Leiden ist diese Tour de France nicht. Sicher, die Pedalritter kommen an manchen "Hungerbergen" - so nennt der Radler lange, nicht enden wollende Steigungen - tüchtig ins Schwitzen und müssen ihr Gefährt auch schon mal schieben, doch zumeist geht's bei der Tour de Bourgogne gemächlich und erholsam zu. Sie hält, was der Slogan des Reiseveranstalters verspricht: Natur erleben mit dem Fahrrad - auf mehr als 300 Kilometern an sechs Tagen samt perfekter Organisation und umsichtiger Betreuung.

Zum Auftakt in Beaune steht erstmal Kultur auf dem Programm. Der begegnen die Radtouristen auf Schritt und Tritt in der geschichtsträchtigen Stadt, die im 14. Jahrhundert Residenz der burgundischen Herzöge war und 400 Jahre später das wurde, was sie heute ist: Zentrum des Weinhandels. Dort ist Reiseleiter Erich Heinemann als Kunsthistoriker in seinem Element. Ob im Hôtel-Dieu, dem im 15. Jahrhundert im burgundisch-flämischen Stil erbauten Armenspital mit den im 52 Meter langen Krankensaal wie in hölzernen Kästen eingerichteten 28 Betten und der eindrucksvollen Sammlung von Gemälden, mittelalterlichen Möbeln, aber auch martialisch anmutenden Chirurgen-Bestecken, ob in der Kirche Notre-Dame mit den drei überdimensionalen Portalen, ob im Weinmuseum mit den riesigen Holzpressen - überall versteht's Erich, seine Radlertruppe fachkundig und mit launigen Worten in die Historie zu entführen.
Nach dem Gang durch die Altstadt und einer Kostprobe des burgundischen Rotweins, kredenzt auf der mittelalterlichen Stadtmauer, gibt's ein köstliches Abendmenü in einem ehemaligen Weinkeller mit Schnecken, Ochsenfleisch, herzhaftem Käse und süßem Dessert - Stärkung für die Radelei am nächsten Morgen.
Muskelkraft verlangt
Vom Start weg erleben die Fahrradreisenden die abwechslungsreiche burgundische Landschaft. Mal geht es durch das schier endlose Weinanbaugebiet Côte d'Or - nahe Gevre-Chambertin macht Erich genau jene Hanglage aus, "von der Napoleon seine Tafelweine bezogen hat" - mit ihren mächtigen Châteaus, mal durch dichte Laubwälder. Hügelige Etappen, auf denen Beinmuskelkraft verlangt wird, wechseln sich ab mit betulicher Radelei entlang der Kanäle de Bourgogne und du Nivernais. Und wenn an üppigen Gemüsefeldern vorbeigeradelt wird, unterbrechen die Bauern ihre Arbeit: "Bonjour, salut", schalt es der strampelnden Truppe entgegen. In den Dörfern pflegen die Frauen die Vorgarten-Blumenpracht.
Doch nicht nur die Landschaft macht die Tour de Bourgogne zum Erlebnis, auch die Städte mit ihrem recht unterschiedlichen Gepräge. Da ist die Metropole Dijon, in der nicht nur die Sehenswürdigkeiten, wie Herzogs- und Justizpalast, die Kathedrale St. Michel, altehrwürdige Stadthäuser und Notre-Dame beeindrucken, sondern auch das pulsierende Leben noch am späten Abend.
Ganz anders das verschlafen wirkende Salmaise, das jedoch zu den fünf schönsten Dörfern Frankreichs gehört und mit seiner historischen Markthalle Einblick ins ländliche Leben gewährt. Der in einem Seitensträßchen wirkende "künstlerische Konditor", wie der Meister sich selbst nennt, lockt nicht nur die Radlerinnen an, sondern auch Kunden aus einem Umkreis bis zu 100 Kilometer.
Nicht weit davon entdecken die Stahlroßfreunde die idyllisch gelegene Seine-Quelle, und schon bald danach bestaunen sie einen bronzenen, sieben Meter hohen, Hünen: Keltenfürst Vercingetorix, der mit seinen Truppen an dieser Stelle - Alesia, heutiges Alise-Ste-Reine - 52 vor Christus von den Römern unter Cäsar besiegt worden sein soll. Erheblich jüngeren Datums ist die Geschichte, die den Radlern im weiteren Verlauf der Tour mit prachtvollen Bauten begegnet: Die einstige Zisterzienserabtei Fontenay (die Besichtigung dieses pompösen, heute in Privatbesitz befindlichen Klosterkomplexes läßt vorübergehenden Regen an diesem Vormittag vergessen), die hoch droben im Bergdorf Montreal liegende Kirche, im Wallfahrtsort Vézelay auf dem Jakobspilgerpfad die Basilika Ste-Madeleine, in der einst Bernhard von Clairvaux gepredigt hat, und in Autun die Überreste des größten Amphitheaters, das Cäsar in Gallien errichten ließ. Diese und viele andere historische Sehenswürdigkeiten, die Reiseleiter Erich auf der 300 Kilometer langen Radtour ausfindig gemacht hat und den Pedalrittern fachmännisch erläutert, lassen die Strampelei auch kulturell zum Erlebnis werden.
Pastete, Wein und Dessert
Was wäre dies aber ohne burgundische Genüsse. Wenn die Radler zu irgendeinem schattigen Plätzchen kommen oder - bei Regen - zu einer Bauernscheune oder gut erhaltenen Ruine, dann ist dort der Tisch reichlich gedeckt. Aperitifs und Wein, Pasteten, Käse, Salate, Brot, Obst, Desserts, ja sogar Fischsuppe und frisch aufgebrühter Kaffee (kleine Gasbrenner gehören mit zur Ausrüstung), lassen manchen Zweirad-Urlauber immer wieder aufs neue jubilieren: "Wie Gott in Frankreich". Und bei den Picknicks sind auch manche Anstrengungen vergessen, auf die Erich bei zu erwartenden Steigungen stets mit der vielsagenden Umschreibung aufmerksam macht: "Gleich gibt's ein Negativ-Gefälle:"
Auf einer Klosterfrau durchs Perigord
Eine kulinarische Radreise in Südfrankreich
Eindrücke von Michael Langjahr
Herrliches Perigord. Wer einmal in seinem Leben durch dieses Schlaraffenland geradelt ist, wird es niemals vergessen. Sehr romantisch und etwas abgeschieden liegt sie da, die Heimat des Trüffels, der Weine Cahors, der Gänseleberpastete, der Walnüsse, Steinpilze und duftenden Kräuter: Im Süden Frankreichs, etwa auf halber Strecke zwischen Bordeaux und der Côte d'Azur.
Wie gut es sich hier leben läßt, wußten bereits die Menschen von 50 000 Jahren. Sie haben ihre Spuren in Form eines Wohnfelsens, dem "Roque St. Christophe", und als Höhlenmalereien in der Grotte von "Pech Merle" hinterlassen. Am schönen Leben hat sich im Perigord bis heute wenig geändert. Der einzige Unterschied: Wo die Menschen in vorchristlicher Zeit oftmals mehrere Tage hintereinander hungern mußten, bis sie nach schwieriger Jagd endlich einen Mammut erlegen konnten, fliegen ihnen die Köstlichkeiten des Landes heutzutage fast ins Maul.
Wohin der Besucher auch fährt oder blickt, findet er eines jeder einladenden Restaurants, die ihre wohlfeilen Menüs auf Kreidetafeln an der Tür anpreisen: Als Vorspeise ein Salat nach Art des Perigord mit Walnüssen und Roquefort, danach eine kroß gebratene Ente und zum Dessert eine verführerische Crème Brulée, die zum Plaisier von Auge und Gaumen mit einer dunkelbraunen Karamel überzogen wurde. Dies alles nebst einem Fläschchen Merlot aus der Umgebung Cahors, der größten Stadt der Region, kostet umgerechnet 60 Mark. Im großen Paris ißt man oft schlechter und teurer.
Cahors an einem sonnigen Montag im September. Im Hôtel de France stehen 20 unternehmungslustige Touristen aus Deutschland am Beginn einer Radtour durch das Perigord und warten auf ihre kundigen Begleiter. Es sind: Ulrike, eine sympathische Radführerin, deren bunte Radlerhose uns, ihren Schäfchen, selbst im dunkelsten Eichenwald ein Leuchtturm sein wird, und Jörn, den Fahrer des Reisebusses, der sich in den kommenden Tagen als Meister des Tischlein-deckdichs erweisen sollte. Beide sind Angestellte von Schimmel-Radreisen in Neuhofen und kennen das Perigord wie ihre Westentasche.
Wenn eine Gruppe von zwanzig Menschen, die sich vorher noch nicht kannten, auf eine Radtour geht, dann sind besonders die ersten Kilometer spannend. Da ist Günther, der Schnellfahrer aus dem Sauerland, der viele Berge zweimal hochfährt, um ausgelastet zu sein, und da ist Gisela, eine nette Dame aus Köln, die von ihrer Freundin zu der Radtour überredet wurde. Sie muß ihr Rad die meisten Berge hochschieben, doch wenn eine Gruppe sich versteht, ist das kein Problem. Die Schnellen dürfen hin- und herfahren, auf die Langsameren wird gewartet. Was oft vorkommt, denn die Radwege im Perigord sind ebenso schön wie hügelig. Längere, flache Stücke gibt es nur entlang der Flüsse Lot und Dordogne. Ansonsten geht es ständig die grünen Hügel hinauf und wieder hinab. Damit niemand verlorengeht, wird zu Beginn jeder Tages-Etappe ein Fahrer bestimmt, der als letzter fährt und Vermißtenmeldungen umgehend an Ulrike, die Chefin im Fahrerfeld, geben soll. Sein Kennzeichen ist ein orangefarbenes Fähnchen. Während der ersten Hälfte der Reise übernimmt Jürgen, ein Mediziner aus Brandenburg, die ehrenvolle Aufgabe, in den beiden letzten Tagen ist es Rita aus der Heimat Oskar Lafontaines.
Wie erfahren die Schimmel-Leute im Organisieren von Radreisen sind, zeigt sich vor allem in Details. Damit die Sättel nur einmal eingestellt werden müssen, bekommt jeder zu Beginn der Tour sein Rad. Da alle Räder gleich aussehen, erleichtern Namensschilder am Schutzblech die morgendliche Radsuche: Rita zum Beispiel bekam den "Fünften Zwerg" zugeteilt, und dem Chronisten war es vorbehalten, auf einer "Klosterfrau" durchs Perigord zu reiten. Die schönsten Geschichten schreibt bekanntlich der Zufall. Dies schönsten Radwege im Perigord lernt kennen, wer mit Schimmel fährt. Alle Strecken sind ein Muster an Abwechslung. Mal geht es durch einen typischen Eichenwald, mal vorbei an Nußplantagen oder duftenden Tabakfeldern. Eine halbe Stunde später radelt die Radgruppe durch ein mittelalterliches Dorf, um wenige Augenblicke danach Hunderten von Gänsen gegenüber zu stehen.
Die Tagesabschnitte sind im Durchschnitt 50 Kilometer lang. Zahlreiche Pausen geben Gelegenheit zur Erholung. Längere Stopps werden zur Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und den heimlichen Höhepunkten der gesamten Radtour eingelegt: den Picknicks. Das Mittagessen unter freiem Himmel ist ein Ritual der Reise, auf das bereits nach dem ersten Tag keiner der Pedaleure verzichten möchte.
Es ist aber auch zu schön, wenn sich der ermattete Radtourist nach anstrengenden Kilometern am Morgen gegen Mittag mit leerem Glykogenspeicher auf ein kräftigendes Mahl freuen darf. Zu diesem Zweck hat Jörn, der den Begleitbus mit dem Gepäck der Radtouristen fährt, an den schönsten Fleckchen der Tour ein Picknick aufgebaut. Für etwa 35 Francs pro Person, das sind etwa 10 Mark, gibt es jeden Tag Rotwein, Rosé, Baguette Käse, einen Aperitif, Salate, Wurstplatten, Avocados, Würstchen mit Senf und köstliche Dessserts. Der Appetit kommt beim Radeln. Nirgends hat dieser Spruch größere Gültigkeit als im Perigord.
Mit schweren Beinen radeln die Teilnehmer dann nachmittags ihrem Nachtquartier entgegen. Dabei handelt es sich um ordentliche Hotels in den prominentesten Städten des Perigords: Cahors, an einer idyllischen Schaufe des Lot gelegen, Sarlat, dem mittelalterlichen Schatzkästchen an der Dordogne, oder Rocamadour, dem berühmten Pilgerort auf dem Jakobsweg in Richtung Santiago de Compostella.
Wackere Radfahrer gehen nach der Ankunft sofort auf Erkundungstour in die Städte, andere suchen ihr Heil in einem heißen Bad. Eingedenk der schönen Etappe, die hinter ihnen liegt, und in Erwartung der anstrengenden Abenteuer, die am nächsten Tag auf sie warten.
Nach neun Tagen voller köstlicher Eindrücke sind alle wohlbehalten nach Cahors zurückgekehrt. Nur Gerhard, ein wagemutiger Pfälzer, der ständig freihändig den Berg hinunterfahren mußte, hat sich ein Außenband gedehnt. Nicht beim Radeln, nein, er hat sich auf einer Kirchentreppe - welch göttlicher Fingerzeig zu mehr Vorsicht! - den Fuß vertreten. Aber auch er hat versprochen wieder dabei zu sein, wenn im Perigord der Schimmel gesattelt wird.
Artikel von Detlef Burrichter, erschienen im "Westfälischen Anzeiger", am 4. September 2004
Detlef Burrichter war Teilnehmer an der Radtour durch die Haute-Provence vom 27. Juli bis 4. August 2004
Radeln und Rasten
Frankreich mit dem Rad:
Streifzüge durch die Haute-Provence
Sie können kein Französisch und wollen
trotzdem einen der schönsten Landstriche Europas – die Provence –
erleben? Sie sitzen nicht jedes Jahr tausende von Kilometern im Fahrradsattel
und wollen es dennoch wagen, im Urlaub ausgerechnet durch die Bergwelt der
Haute Provence zu radeln? Ihren Traum können Sie in der Schluchtenwelt des
Voralpenflusses Verdon getrost wahr machen – dank eines Begleitbusses, der
zu steile Strecken „überbrücken“ hilft und dank der zwei Reisebegleiter,
die alle Sprachlücken brillant ausgleichen, ist diese Reise für jedermann
geeignet.
Nähern wir uns unserem Reiseziel. Unsere ungewöhnliche Radtour führt durch eine der faszinierendsten Bergwelten Europas. Die Provence trifft hier auf die Alpen. Eingebettet in eine eindrucksvolle Gebirgskulisse liegen idyllische Täler – im Frühjahr blühen hier die Mandelbäume, im Hochsommer bieten die ausgedehnten Lavendelfelder imposante Ausblicke, die auch in der Nase angenehm haften bleiben. Im Herbst machen Laubfärbung und frische Bergluft diesen Landstrich zum unvergesslichen Erlebnis.
Doch bevor uns der Bus über die berühmte
Route Napoléon auf den 1240 Meter hohen Pass bei Verdaches bringt, radeln wir
uns vormittags im malerischen Tal der Asse warm. In leichten Wellen geht es
hier noch weiträumig zu, die Berge der Provence aber schon vor Augen. Beinah
ist einem, als radelte man direkt durch eines der berühmten Gemälde von Paul
Cezannes, der einst in diesem Landstrich die Heimat fand.
Nach dem Bustransfer – der Motor quält sich bergauf und man ahnt, was einem
erspart bleibt – gibt es eine entspannte Abfahrt durch die phantastische
Landschaft der Schlucht „Clues de Barles“. 35 Kilometer nur bergrunter –
ein Traum für „Flachland-Tiroler“ aus Norddeutschland! Zwischendurch gibt
es ein Picknick, unter freiem Himmel, das der Busfahrer täglich zubereitet, während
wir radeln. Auf einer Wiese an einem Gebirgsbach, ringsherum erheben sich die
Berge, läuft Christian zur Hochform auf. Im „Petit Paradis“ serviert er
Muschel- und Pilzsalat, eine Poularde dazu Couscous, zum Nachtisch
Schokoladenpudding. So lässt es sich tüchtig weiter radeln.
Auf der Weiterfahrt halten wir immer wieder an und staunen. Nein, so gewaltig
hatten wir uns die Voralpen der Provence nicht vorgestellt. Und trotz der
Sommerhitze lässt es sich herrlich radeln – freilich immer bergrunter. An
einer Gebirgsquelle gibt es noch einmal einen Stopp. Christian reicht
landestypisch Pfefferminz-Sirup mit frischem Quellwasser. Welch ein Genuß!
Eine gute Woche geht es so in diesem Stile. Täglich mal 40, mal 50 Kilometer
mit dem Rad. Zwischendurch bleibt genügend Zeit, um den Wochen- und Krammarkt
in Digne zu besuchen oder für einen Rundgang durch Moustieres. Wie in die
Felsen geschlagen wirkt das malerische Touristen-Städtchen. Der wegen seiner
Fayencen und einem Stern hoch oben in den Klippen berühmte Ort bietet
zweifellos ein besonderes Flair. Die Fayencen kaufen wir aber lieber in einer
kleinen Werkstatt in Allemagne – ein Tip von Christian, der sich auszahlt.
Die alte Frau freut sich ungemein über den seltenen Touristenbesuch, wir
unterdessen über die Qualität ihres Handwerks und faire Preise.
Drei Tage wohnen wir in dem Bergdorf La Palud, nahe beim Grand Canyon Du
Verdon. Die Schlucht ist das vielleicht spektakulärste Naturereignis Europas.
Anders als im oberen und unteren Lauf des Verdon, wo zahlreiche Stauseen
angelegt wurden, ist hier weitgehend unberührte Natur. In Jahrmillionen hat
sich der Fluß sein Bett in den Kalkstein der Alpen gefressen. Die Berghänge
fallen senkrecht, teils bis zu 800 Meter zur Talsohle ab. Hier zieht das türkisblaue
Band des Verdon seine Bahn.
Zunächst nähern wir uns diesem atemberaubend schönen Panorama mit dem
Fahrrad. Die Route de Crêtes bietet uns imposante und einzigartige Ausblicke.
Auch die Höhenstraße am Südufer radeln wir hinunter. Wir genießen das
Wechselspiel von Hell und Dunkel, Smaragdgrün und Kalkweiß.
Dann bleiben die Fahrräder einen Tag stehen. Schon um 7.45 Uhr startet unsere
Gruppe an diesem sonnigen Sonntag zur Wanderung – 16 Kilometer durch den
Grand Canyon. Es soll ein unvergessliches Erlebnis werden. Die ganze Schönheit
der Schlucht erschließt sich erst jetzt. Zwar ist das Wandern nicht immer
unbeschwerlich – der Weg führt durch bizarre Felslandschaften mit steil
aufragenden Wänden, manchmal über Eisentreppen steil in die Tiefe, manchmal
über Geröll und rutschigen Sand. Wem die Sache zu anstrengend ist, der kann
vom anderen Ende der Schlucht den Wanderern entgegenlaufen.
In Erinnerung bleibt auch die köstliche französische Küche, die wir jeden
Abend ausgiebig genossen – „Qualmende Ente“, Rochen an Kapernsoße,
Lammragout nach provencalischer Art, dazu stets ein Krug mit frischem
Quellwasser und erlesene Weine von den Hängen der nahen Rhonetäler. Und was
für Käseplatten! So lässt es sich wahrlich gemütlich radeln!
Artikel von Frau Samira Sachse, erschienen in der "Freien Presse", am 2. Dezember 2004
Frau Sachse war Teilnehmerin an der Radtour durch die Haute-Provence vom 12. bis 20. Oktober 2004
Romantik und grandiose Natur
Erkundungen per Fahrrad und zu Fuß in der Haute
Provence in Südfrankreich
Für den Blick nach rechts ist Mut erforderlich. Nur ein paar Handbreit Asphalt trennen die Räder des Busses vom Abgrund. Mehrere hundert Meter tief reicht die Schwindel erregende Aussicht in den Grand Canyon du Verdon in der südfranzösischen Haute Provence (deutsch: Hochprovence). Unwillkürlich wird an jeder Kurve die Luft angehalten. Nur nicht an Gegenverkehr denken.
Zum Glück dauert die Fahrt vom Hotel im kleinen Gebirgsdorf La Palud zur Hütte La Maline am Rand der Schlucht nicht lange. Dann liegt der Weg in die Tiefe vor uns. Während unserer organisierten Radtour durch die Hochprovence haben wir den Canyon zunächst per Drahtesel in Teilabschnitten umrundet und von diversen Aussichtspunkten aus voller Respekt in die Tiefe geblickt. Nun aber soll die faszinierende Schlucht komplett erobert werden.
Gut 350 Höhenmeter geht es zunächst nach unten. „Von oben sieht das schlimmer aus als die Route wirklich ist“, beruhigt Christina. Unsere „Expeditionschefin“ ist immerhin schon acht Mal in den Canyon abgestiegen und durch die Schluchten fast 16 Kilometer weit hindurchgeklettert, marschiert, gestiegen. Christina schwärmt von Traumaussichten auf Steilhänge und bizarre Felsformationen.
Millionen Jahre hat der Fluss Verdon, der heute durch Staustufen gebändigt ist, für das Modellieren dieser Landschaft gebraucht. Millimeter für Millimeter fraß sich das smaragdgrüne Wasser in die Kalkfelsen. „Sicherlich übertrifft der Grand Canyon des Colorado den Verdon an Größe und Farbigkeit, aber er ist weniger eng und vor allem nicht so grün. Und außerdem ist er nicht bei uns“, schrieb der französische Höhlenforscher Eduard Alfred Martel, der den Canyon 1905 entdeckte.
Der Abstieg ist eine Herausforderung. Ein in Serpentinen gelegter Weg voller Geröll erfordert Trittsicherheit. Dann führt der nach Martel benannte Pfad im Wechsel bergauf und bergab. An gefährlichen Passagen sind Stahlgeländer in das Gestein getrieben. Anderswo wird eine Geröllhalde von einem Halteseil überspannt. Eine Eisentreppe führt durch den Spalt zwischen zwei Felstürmen gut 80 Meter in die Tiefe. Sicherer fühlt sich hier, wer langsam rückwärts klettert. Am Ende der Tour kommen die Taschenlampen, die zur Pflichtausstattung für den Weg gehören, in zwei Tunneln zum Einsatz.
Etwa sechseinhalb Stunden - inclusive kurzer Pausen - braucht ein durchschnittlich trainierter Körper für das Bezwingen des Canyon auf dieser Route. Muskelkater an Stellen, an denen kein Muskel vermutet wird, ist nahezu garantiert. „Für den normalen Canyonwanderer ist der Weg alternativlos“, erklärt Christine. Sie empfiehlt zugleich den Start an der Hütte La Maline. Schließlich muss, wer in entgegengesetzter Richtung geht, am Ende 350 Höhenmeter aufsteigen: „Das kann zur Qual werden nach mehrstündiger Tour“.
Nur Extremsportler muten sich andere Varianten der Schluchtenerkundung zu. Typen, die aber durchaus gefährlich leben. Um die 60 bis 80 Tote forderten diverse halsbrecherische Aktivitäten jedes Jahr. Auf der Suche dem angeblich besonderen Kick scheint nichts unmöglich. Da wären die Frei- und Steilwandkletterer oder auch die Rafter, Kanuten und etwa die Canyon-Schwimmer.Jene, die sich mit einem Bungee-Seil in die Tiefe befördern lassen, gehören ebenso zu den Extremen. Ihr bevorzugtes Ziel: Die über 180 Meter hohe Autobrücke Pont de l’Artuby, unter der sich der Verdon-Nebenfluss Artuby in einem engen Felsschlund schlängelt.
Während unserer Rad-Tour um den Canyon – einen Teil der Umrundung fuhren wir allerdings aus Komfortgründen samt Rad mit dem Bus - war auch die Brücke zu passieren. Das Bauwerk war von jungen Leuten regelrecht belagert und etwa aller zehn Minuten stieg eine Person fröhlich auf die Brüstung. Sprünge am laufenden Band, Schreie. „Niemals“, so unser Urteil.
Schließlich bietet die bodenständige Erforschung der Gegend ausreichend Nervenkitzel. Per Fuß, per Drahtesel und vom Busfenster aus sind die Haute Provence und die Schluchten des Verdon schließlich auch extrem eindrucksvoll zu erleben. Mit dem Frankreich-Spezialisten Schimmel-Reisen aus Neuhofen nahm uns Frankreich-Laien ein kleines Traditionsunternehmen den Organisationsaufwand ab. Und dazu gehörte neben dem Gepäcktransport eben auch der Transfer der Fahrräder. Die Vehikel reisten auf einem separaten Anhänger. Immer dann, wenn die Wege sehr steil waren oder wenn das Hauptquartier von einem in ein anderes Hotel verlegt wurde, fuhren die Drahtesel huckepack. Eine luxuriöse Variante für Genussradler, die sich nicht unbedingt plagen wollen.
Kreuz und quer durch die Hochprovence – die Region trägt auch wegen üppiger Lavendelfelder den Beinamen Lavendel-Alpen - führte die neuntägige Exkursion. Am Ende hatten wir gut 200 Fahrradkilometer in den Beinen.
Wir hatten eine atemberaubend schöne Landschaft und gemütliche Picknicks unter freiem Himmel erlebt und historische Städte sowie klitzekleine Dörfer erkundet.
Selbst wenn die Sonne nicht scheint in der Haute Provence scheint der karge Landstrich in weiten Teilen wie von warmen Licht überflutet. Ockerfarbene Böden, die mitunter auch rötlich-orange schimmern und die braun-gelben Strukturen in den Kalkfelsen wirken wie eine natürliche Beleuchtung. Aufgenommen wird die Stimmung von Hausfassaden, die mehrheitlich in Terracottatönen getüncht sind. Nur die hölzernen Fensterläden an den alten Gemäuern setzen grelle Akzente. Häufig in kräftigem Lila gestrichen erinnern sie das ganze Jahr an das Farbfeuerwerk, das Mitte Juni bis Ende Juli während der Lavendelblüte über der Hochebene liegt. Es scheint ein wenig so, als wollten die Einwohner auf diese Weise die Farbintensität blühender Lavendelfelder konservieren.
Natur pur und südfranzösische Lebensart. Aix-en-Provence, eine zauberhaft lebendige Kunst-, Kultur- und Universitätsstadt ist ebenso wie die kleinen Kommunen Manosque, Moustiers, Aiguines, Gréoux-les-Bains oder etwa Digne einen Besuch wert. Die engen Gassen in den Orten laden zum Spazieren ein. Restaurants und Cafes locken mit einheimischen Spezialitäten. Interessant auch, wie die Ur-Bewohner der Hochprovence ihre Siedlungen anlegten. Während in Deutschland Städte und Dörfer nicht selten von fruchtbaren Tälern aus in die Breite wuchsen so wurde in der Haute Provence auffällig oft an Bergen gebaut. Über vielen Orten thronen alte Schlösser und Burgen, von denen sich die Wege hangabwärts ziehen. Die Siedlungsgrenze ist nicht selten von Wand an Wand gebauten Häuschen, die wie eine Mauer wirken, markiert. Romantische Orte, in denen es trotz zehntausender Hochsommer-Touristen weder überdimensionierte Hotelburgen noch lautes Party-Halligalli gibt.
Eine reichliche Woche Haute Provence: Die Region mit ihren grandiosen Naturszenarien und ihrer ganz speziellen Romantik hat sich für weitere Erkundungen empfohlen.
Allgemeine Informationen über die Region und touristische Möglichkeiten gibt es beim Französischen Fremdenverkehrsamt in Frankfurt/Main unter der kostenpflichtigen Telefon-Nummer 0190-57 00 25 (0,62 Euro pro Minute) oder via Internet www.franceguide.com.
Auskünfte zur beschriebenen Radel-Reise wiederum gibt der Spezialveranstalter Schimmel-Reisen in Neuhofen, Telefon-Nummer 062 36 – 5 55 55, www.schimmel-reisen.de. Für die Tour werden die Fahrräder vom Veranstalter zur Verfügung gestellt. Zudem ist die Unterkunft in landestypischen Hotels samt Halbpension inclusive.